Die Chance des Lebens nutzen

Dinah Radtke ist eine international anerkannte Stimme, wenn es um Behindertenrechte und Teilhabe geht. Seit ihrer Ausbildung als Übersetzerin engagiert sie sich in der Stadt Erlangen dafür, dass alle behinderten Bürgerinnen und Bürger ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Platz für WegbereiterInnen – wer die bunt gekleidete Frau in Begleitung ihres Hundes durch Erlangen rollen sieht, ahnt nicht: Diese fröhliche Dame war daran beteiligt, dass die Rechte behinderter Menschen weltweit zur Geltung gebracht werden. Dinah Radtke (69) arbeitete 2003 bis 2006 an der UN-Behindertenrechtskonvention mit. In Erlangen hat sie mit unermüdlichem Einsatz über Jahrzehnte dafür gesorgt, dass ihre Heimatstadt zu einem Vorbild in Sachen Teilhabe wurde.

„Ich war vom Leben ausgegrenzt“

„Die Welt war voller Barrieren“, erzählt Dinah Radtke von ihrer Jugend. Wegen einer spinalen Muskelatrophie war sie seit dem 12. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen. Die Treppe zur elterlichen Wohnung im 1. Stockwerk – eine nahezu unüberwindliche Hürde. „Ich war vom Leben ausgegrenzt“, sagt sie heute.

Viele Barrieren hat sie seitdem überwunden – und so vielen behinderten Menschen den Weg ins Leben bereitet. Als sie 1971 nach Erlangen kam, um am Fremdspracheninstitut zu studieren, konnte von Barrierefreiheit keine Rede sein. Ihren Elektro-Rollstuhl musste sie in einem Schuppen parken, in einen Schieberollstuhl umsteigen und sich dann von zwei Männern – oder vier Frauen - die Treppen zum Institut hinauftragen lassen.

Weil sie Menschen ansprechen musste, ihr zu helfen, überwand die junge Frau ihre Schüchternheit. „Ich war so froh, endlich Anschluss zu finden“, erinnert sie sich. Auch daran, was der konkrete Anlass war, sich für die Rechte behinderter Menschen engagieren. „Ich war nicht mehr isoliert“, erzählt Dinah Radtke – und ausgerechnet in dieser Situation wurde ihr die Studentenwohnung gekündigt. „Weil ich zu viel Besuch hatte!“

Als selbst der Aufruf des Studentenpfarrers von der Kanzel und ein Zeitungsartikel nicht weiterhalfen, ihr eine neue Wohnung zu beschaffen, beschloss Dinah gemeinsam mit einer Mit-Studentin, die auch behindert war: „Wir gehen zum Oberbürgermeister!“

Es war die Geburtsstunde der StiB, einer Studierenden-Initiative, die an der Uni Erlangen für Barrierefreiheit sorgen sollte. „Für mich“, erzählt Dinah Radtke von einem ihrer frühen Erfolge, „ist damals an der Philosophischen Fakultät die erste Rollstuhl-Rampe gebaut worden.“

„Alle waren von Anfang an sehr offen uns gegenüber.“

Später wurde aus der StiB das „Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter“ (ZSL). „Die Menschen haben gesehen, dass wir erfolgreich waren. Und sie haben gefragt, wieso gibt es das nur für Studierende? Wir wollen das für die ganze Stadt!“ Von Anfang an bis heute stand das ZSL im Dialog mit Stadt- und Uni-Verwaltung. „Alle waren von Anfang an sehr offen uns gegenüber.“ Seit 2011 gibt es in Erlangen ein Arbeitsprogramm mit einer Inklusionsbeauftragten, das die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen soll. Und seit Januar ist Erlangen einer der fünf Modell-Kommunen in Deutschland für das Projekt „Kommune inklusiv“ der Aktion Mensch.

An der Metropolregion Nürnberg schätzt sie, „dass die Menschen weltoffen sind. Manchmal etwas kratzbürstig, aber sehr hilfsbereit.“ Und: „Die Region ist sich des Beitrages behinderter Menschen zum Leben in der Gesellschaft bewusst. Das zeigt sich ja auch daran, dass ich die Ehrenbürgerinnenwürde der Stadt Erlangen verliehen bekommen habe!“

Es hat sich viel getan seit den 70er Jahren, als sich Dinah Radtke aufmachte, für die Rechte behinderter Menschen – vor allem behinderter Frauen - zu kämpfen. Doch es bleibt viel zu tun: Vor allem im privaten Dienstleistungsbereich – z. B. in Arztpraxen, Restaurants oder Hotels – fehle es noch immer an behindertengerechten Einrichtungen. In anderen Ländern sei dies gesetzlich vorgeschrieben, so Radtke, in Deutschland nicht.

Genug Gründe also, sich auch im so genannten Ruhestand weiter zu engagieren. „Für mich ist es wichtig, mein Leben so gestalten zu können, wie es meinen Bedürfnissen und Interessen entspricht.“ Behinderte Menschen müssen ihre berechtigten Rechtsansprüche erst durchsetzen, vor allem, wenn es um kostenträchtige Hilfen für den Alltag geht. „Aber da geht es ja um Menschenrechte!“ Diese Ansprüche durchzusetzen, sei etwas ganz Essenzielles: „Ich finde, jede Frau und jeder Mann soll die Chancen nutzen können, die das Leben ihm oder ihr bietet.“

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