Stilberatung und Bildungsarbeit

Fünf Läden in Deutschland, einer in der Schweiz, ein gefragter Online-Shop, 30 Mitarbeiter: Bernd Hausmann hat mit seinem Unternehmen „Glore“ (Globally Responsible Fashion) für faire und ökologische Mode in der Metropolregion Nürnberg den Nerv der Zeit getroffen. Dabei hatte er zunächst ein ganz anderes Ziel: als Profi in der Bundesliga kicken.

Erst Fußballer, dann Sozialarbeiter und mit 35 Jahren ein beruflicher Neustart in der Modebranche: Ohne große Vorkenntnisse im Einzelhandel öffnete Bernd Hausmann 2007 sein erstes „Glore“-Geschäft in der Nürnberger Altstadt. „Ich wollte vor allem einem jüngeren Publikum zeigen, dass Kleidung modisch und zugleich fair sein kann“, beschreibt er die Anfänge. Mit Erfolg: Stapel von Jeans, T-Shirts mit bunten Aufdrucken, aber auch bürotaugliche Kombinationen erreichen seitdem einen stetig wachsenden Kundenkreis.

Als Jugendlicher interessierte ihn weniger die Passform einer Jeans als der Sitz eines Stollenschuhs. Wie schon Vater und Großvater war er seit frühester Kindheit dem 1. FC Nürnberg verbunden, spielte als Amateur mit Vertrag. Die Profi-Karriere war greifbar. „Ich war damals voll bei der Sache und sehr leistungsorientiert“, erinnert er sich. Mit 19 stellte Bernd Hausmann erstmals die Weichen neu, studierte Soziale Arbeit und finanzierte mit dem Fußballspielen die Ausbildung. „Ich habe mich im Studium mit den Verlierern der Gesellschaft beschäftigt und wollte dann auch mit ihnen arbeiten“, sagt er. Ein Jahr lang kümmerte er sich in den USA um Obdachlose.

Nach der Rückkehr war er in Stein in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Doch der Fußball ließ ihn noch nicht los: Einerseits gab er sein Können als Trainer weiter. Andererseits vertrieb er nebenher gemeinsam mit einem Freund Traditionstrikots von Bundesligavereinen. Das Geschäft wuchs ebenso wie seine Zweifel an der Textilindustrie. Sollten Ausbeutung, unmenschliche Arbeitsbedingungen und ökologischer Raubbau wirklich länger Grundlage seines Geschäftsmodells sein?

Mit Mode die Welt verändern

Bernd Hausmann stieg aus beidem aus: der Sicherheit des öffentlichen Dienstes und dem Handel mit Sporttrikots. „Ich wollte mit Mode etwas verändern. Die Textilproduktion ist der Industriezweig, der weltweit am meisten Menschen beschäftigt. Dort kann man wirklich etwas für die Arbeiterinnen und Arbeiter erreichen“, sagt er. Mit diesem Anspruch ist „Glore“ gewachsen. Läden sind heute etwa im szenigen Hamburger Schanzenviertel oder im schweizerischen Luzern zu finden. Seit 2014 betreibt Hausmann in einer Fabriketage im Stadtteil Kohlenhof einen Online-Shop. Mehr als 200 Hersteller hat er inzwischen im Angebot. „Fair bedeutet immer auch bio“, erklärt Bernd Hausmann. Das ganze Sortiment – von der Mütze bis zu den Schuhen – trägt daher Siegel wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder Fairtrade.

Eine Sieben-Tage-Woche, geringer Lohn und fehlende gewerkschaftliche Organisation, wie sie in vielen Produktionsstätten immer noch üblich sind, lassen sich dauerhaft nur durch den Druck der Konsumenten bekämpfen. Bislang liegt in Deutschland der Anteil ethischer Mode im Promillebereich, aber er werde deutlich wachsen, ist sich Bernd Hausmann sicher. „Ich hätte gerne mehr Konkurrenz“, versichert er. Je größer die Verfügbarkeit von grüner Mode, desto mehr Menschen würden sich dafür begeistern.

Mit seinen Mitarbeitern leistet er nicht nur Stilberatung, sondern auch Bildungsarbeit. In Schulen vermitteln sie, dass die Textilarbeiter in Asien und teils auch Europa den Preis für billig verfügbare Massenmode bezahlen. „Ich will den jungen Leuten klar machen, dass sie mit ihrer Kaufkraft und ihrer Entscheidung für fair produzierte Teile die Bedingungen in den Fabriken verbessern können“, sagt er. Und er möchte die globalen Zusammenhänge sichtbar machen, bis hin zur aktuellen Diskussion über Fluchtursachen. „Wer in seiner Heimat als Näherin oder Näher nicht genug zum Überleben verdient, sieht in der Flucht nach Europa manchmal seine einzige Chance“, ist er sich sicher.

In der Metropolregion gibt es ein aufgeschlossenes Publikum

Bernd Hausmanns Ziele passen gut nach Nürnberg als Stadt des Friedens und der Menschenrechte. Die Stadt hat ihm 2016 für sein Engagement den Nürnberger Preis für diskriminierungsfreie Unternehmenskultur verliehen. Das kleine, faire Modeimperium soll weiter von der Metropolregion Nürnberg aus wachsen. „Mich zieht es nicht nach Berlin“, sagt Bernd Hausmann. Die gute Kaufkraft und ein aufgeschlossenes Publikum geben ihm recht. „Nürnberg ist nicht zu groß und nicht zu klein, nicht zu schnell, aber auch nicht langsam“, sagt er. Hier findet er auch privat alles, was er braucht: Läden, Cafés und Kultur.

Den Club verfolgt er natürlich immer noch und vor allem für den Amateurfußball schlägt sein Herz. Weitere Hobbys braucht er nicht: „Ich mache ja beruflich den ganzen Tag das, was mir Spaß macht.“

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